Anlaufschwierigkeiten beim neuen Abfallwirtschaftssystem
Restabfalltonne

500 Anträge werden täglich bewältigt / Keine finanziellen Nachteile für Bürger
7 Uhr morgens im Kreishaus in Koblenz: Die Telefone der Mitarbeiter des Referats Kreislaufwirtschaft klingeln ununterbrochen. Auch die E-Mail-Postfächer quillen über. Grund für die derzeit unzähligen Anfragen und Anliegen ist das neue Abfallwirtschaftssystem, welches seit Jahresbeginn im Landkreis Mayen-Koblenz gilt. Trotz aller Anstrengungen war es nicht möglich, dass alle Bürger zum Starttermin mit den von ihnen gewünschten Abfallgefäßen ausgestattet wurden. „Zu Recht sind die Bürger unzufrieden, dass es in der Startphase derart hakt. Wir sind es auch“, so die Abteilungsleiterin für Umwelt und Bauen Dagmar Menges.

Die beherrschende Frage der Bürger, die sich an die Kreislaufwirtschaft wenden, lautet: Wann kommt endlich meine neue Abfalltonne in der bestellten Wunschgröße? „Probleme bei einer solch großen Systemumstellung waren leider nicht komplett zu verhindern“, erklärt Carsten König, Referatsleiter der Kreislaufwirtschaft. Dennoch gibt man sich im Kreishaus mit der Tatsache nicht zufrieden. „Wir geben vollen Einsatz, um die Wünsche der Bürger schnellstmöglich umsetzen“, so König.

Hätte man im Kreishaus mit einem derart hohen Auftragseingang rechnen müssen? Dazu Menges: „Wir haben uns bei der Erstverteilung nach der Anzahl der Personen auf dem Grundstück gerichtet. Bei insgesamt 65.000 Grundstücken war eine Abfrage der verschiedenen Tonnengrößen für sämtliche Abfallarten nicht möglich. Ebenso schreibt die Abfallsatzung bestimmte Mindestvolumen vor, die eingehalten werden müssen. Den größten Spielraum hinsichtlich des Volumens gibt es bei der Biotonne, da gibt es fünf verschiedene Größen und wir haben deshalb mit dem Gebührenbescheid im März 2015 abgefragt, welches Volumen gewünscht wird.“ Rund 35.000 Bürger hatten damals eine individuelle Wunschgröße zurückgemeldet. Dennoch gibt es nun die allermeisten Änderungswünsche bei der Biotonne. „Wir hatten aufgrund der sauberen Vorarbeit mit weniger Umbuchungen bei den Bio-Tonnen gerechnet. Ja, das wurde unterschätzt“, sagt die Abteilungsleiterin. Gleichzeitig erklärt sie die umgehenden Reaktionen der Kreislaufwirtschaft: Die Mitarbeiter arbeiten auch samstags. Sowohl vom Kreishaus als auch von zu Hause aus. Das Behälterteam wurde deutlich aufgestockt. Auch wurden bürokratische Hürden beseitigt, was nun die einfache Antragsstellung per Telefon oder Mail ermöglicht.

Unbürokratisch wird man auch die Gebührenveranlagung der Bio- und Restmülltonnen regeln: Wenn bereits in 2015 kleinere Behälter bestellt wurden, zahlt der Bürger schon ab 1. Januar die bestellte kleine Tonne. Und zwar unabhängig davon, ob die kleine Tonne bereits ausgeliefert wurde. Bei Umstellung von klein auf groß, wird die neue Größe erst ab dem Folgemonat der tatsächlichen Auslieferung berechnet. Auf zwei Monate Wartezeit ab Bestelldatum muss man sich einstellen, wenn man heute eine neue Tonnengröße wünscht. „Noch arbeiten wir die Altaufträge aus 2015 ab, dann kommen die Aufträge ab 1. Januar“, bittet Referatsleiter Carsten König um Geduld. Zubehör wie Biofilterdeckel oder Schwertkraftschlösser können erst im Frühjahr nachgerüstet werden.

Die Dimension der Systemumstellung vom bisherigen auf das neue Abfallsystem wird deutlich, wenn man sich den Zahlen widmet: Über 230.000 Tonnen gingen seit September über die LKW-Rampe, seit Januar kümmern sich zwei eigene Mitarbeiter und zusätzlich 16 externe Mitarbeiter von engagierten Firmen um die Behälterverteilung. Das heißt: Aufträge ziehen, Tonnenetiketten drucken, Tourenplanung erstellen, Tonnen verchipen, Tonnen aufladen, rausfahren, ausladen und eventuell zu tauschende Tonnen mitnehmen, diese wieder „entchipen“ und abladen. Dann das Ganze von neuem.. Eine Prozedur, die Zeit in Anspruch nimmt, aber sinnvoll ist. König: „Es geht leider nicht unkomplizierter. Wie bereits in Nachbarkreisen Gang und Gäbe, sind die Behälter ab sofort Eigentum des Landkreises und jeder Behälter ist gewissermaßen mit einem Grundstück verheiratet. Das muss jederzeit nachvollziehbar sein. Nur so können wir verursachergerechte Gebühren berechnen.“ Bis Anfang Januar wurden rund 19.000 Änderungswünsche der Bürger hinsichtlich der Tonnengröße im System gebucht, wobei der Austausch einer Tonne zwei Aufträge auslöst, nämlich alte Tonnen abholen und neue ausliefern. Derzeit sind jeden Tag 16 LKWs unterwegs, um die Behälter zu tauschen. Jeden Tag werden so rund 500 Aufträge abgearbeitet. Dennoch wird es noch ein wenig dauern, bis jeder Bürger seine Wunschtonne hat. Abteilungsleiterin Dagmar Menges: „Wir bitten unsere Bürger, deren Unmut wir gut nachvollziehen können, um Geduld. Wir tun alles Menschenmögliche, um schnell Abhilfe zu schaffen.“